Ein Leben in der Dystopie - Phoenix unter der Lupe

18 März 2017| 2 Kommentare

Bevor es mit dem eigentlichen Beitrag los geht : Bei der Aktion Mut zur Nische handelt es sich um einen kleinen Zusammenschluss an Bloggern und Autoren.... oder auch bloggenden Autoren, die sich gemeinsam das Ziel gesetzt haben Bücher bekannter zu machen, die abseits des Mainstreams liegen.
Der letzte und dieser Monat stehen im Zeichen des Buches Phoenix - Tochter der Asche, erschienen im Papierverzierer Verlag.

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Der Inhalt:
Europa liegt nach einem fehlgeschlagenen Experiment im Jahr 1913 und diversen Kriegen mit Amerika in Trümmern. Mit der Hilfe des damals führenden Wissenschaftlers Nicola Tesla bauten die Saiwalo, eine überirdische Macht, Europa langsam wieder auf. 120 Jahre später erschüttert eine Mordserie Hamburg, die sich niemand erklären kann. Leon, ein Anhänger der Saiwalo und Mitglied der Kontinentalarmee, wird auf die Fälle angesetzt und trifft bei seinen Ermittlungen auf die rätselhafte Tavi. Wer ist sie und wieso ist sie so fest von der Schuld der Saiwalo an den Morden überzeugt?
Quelle: Papierverzierer Verlag

Wer hat sich nicht beim Lesen schon ein Mal gefragt wie es wäre in einer Dystopie zu leben?
Jeder, der dieses Genre kennt, weiß, dass es häufig mit der Zerstörung der Welt, oder wenigstens der Menschheit einher geht.
In Phoenix - Tochter der Asche befinden wir uns in dem dystopischen Hamburg. Nach einem Experiment, von dem wir als Leser zu diesem Zeitpunkt nur immer wieder hören, aber nicht wissen was es ist, liegt die Welt in Trümmern. Hunger und Armut zeichnet die Straßen und die Angst vor den Saiwalo ist merklich greifbar.
Fantastische Wesen halten Einzug in die Gassen, nun, vielmehr in das Untergrundsystem Hamburgs. Von Hexen, über Geisterwächter bis hin zu einem Phoenix ist alles möglich.
Was wir wissen ist, dass sie durch das letzte Gefühl während des Todes zu einem solchen Wesen werden.
Gejagt durch die Saiwalo und die Armee ist es den Seelenlosen - so werden diese Wesen genannt - nicht möglich, sich frei in Hamburg zu bewegen. Ihre Aura würde sie verraten.
Wie wäre es aber als Seelenloser in einer solchen Welt zu leben?

Zunächst ein Mal denke ich, dass es uns weitaus schlimmer hätte treffen können. Die Saiwalo beherrschen zwar alles und auch viele der Menschen sind ihnen hörig aus Angst vor Strafen, dennoch gibt es bedeutend schlimmere Ausgangssituationen, wie ich finde. Die Gesellschaft existiert noch, die Menschen leben zum Teil noch, die Erde ist nicht verseucht oder vergiftet. Wir leben lediglich unter der Herrschaft der Saiwalos, die wir nicht sehen, nicht hören und nicht anfassen können - klingt doch gar nicht mal so schlimm.
Ein Pluspunkt für uns.
Des Weiteren wäre ich wohl ein Phonix geworden. Wut und Jähzorn laufen dort wohl auf das Gleiche hinaus und ich muss sagen: Flügel zu haben kann gar nicht so übel sein. Freiheit assoziiert wohl jeder von uns mit Flügeln, oder wenigstens einem Vogel.
Das Element Feuer ist eines der Elemente, die ich persönlich sehr gerne beherrschen würde und die in diesem Buch ebenfalls mit dem Phoenix assoziiert werden. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Elemente und Fähigkeiten, die beherrscht werden, zu diesen möchte ich hier allerdings nicht zu viel sagen. Dennoch: Ein Phoenix besitzt nicht nur heilende Kräfte.
Insgesamt würde ich mich aber wohl Travis Verhalten anschließen (die Protagonistin der Trilogie). Ich würde mich einsetzen für meine Art. Ich würde kämpfen, aber das nicht auf offensive Weise, sondern mit Köpfchen.
Man kann nicht gegen eine schwer bewaffnete Armee ankommen, wenn man selbst nicht mehr zu bieten hat, als man ist, oder?
Würde ich aktiv in das Geschehen Eingreifen? Nein. Abwarten und beobachten lautet wohl die Devise. Aber Drohnen, die auf der Suche nach uns Seelenlosen sind, würde ich dann schon zerstören, wenn sich die Chance dazu bietet. Immerhin Scannen sie die Umgebung nach Leuten wie uns ab.
Nach Andersartigen, nach Seelenlosen, die Schuld an der ganzen Situation sein sollen -  Menschen fürchten uns deshalb.
Ein Grund, warum ich irgendwann verbittert werden würde, denke ich. Wer immer nur Ablehnung erfährt, der kann sich schon nicht mehr anders verhalten, oder?
Oder sollte es für uns Seelenlose doch noch Sympathisanten geben, von denen wir bis jetzt nichts wissen?
Und wenn ja, wo leben sie? Wo sind sie in einer solch schweren Stunde?
Ich denke, das wäre ein Grund, warum ich irgendwann alles misstrauen würde. Vielleicht sogar meiner "eigenen Art". Kenne ich ihre Ziele so gut wie ich meine kenne? Nein. Menschen wie Seelenlose würden niemals offen ihre wahren Ziele preisgeben, ebenso wenig wie die Saiwalo, oder?

Letzten Endes sind wir wohl auf uns allein gestellt. Doch ich würde herausfinden wollen, was das alles zu bedeuten hat. Ich würde wissen wollen, was das Experiment ist, ich würde mich selber besser kennen lernen wollen, ebenso wie meine Fähigkeiten.
Andererseits würde ich gerne Hamburg erkunden. Ich kenne es in seiner Blütezeit und würde es irgendwie interessant finden, in einer Zeit zu leben, in der genau das alles zerstört worden wäre. Zeitgleich würde ich versuchen wollen, den Menschen zu helfen, auch wenn sie vielleicht glauben, dass ich Schuld an der ganzen Misere habe. Immerhin weiß ich, wissen wir, es ja besser.
Eine Welt, die von unsichtbaren Wesen wieder aufgebaut werden soll... klingt zunächst wirklich mehr als fraglich. Das wäre auch ein Grund, warum ich herausfinden wollen würde, was das alles zu bedeuten hat.
Wesen, die die alleinige Herrschaft innehaben, können sie wirklich so "gut" sein, wie sie sich hinstellen? Wenn Menschen Angst vor Strafen haben un Seelenlose gejagt werden.... steckt dann nicht mehr dahinter? Und wieso habe ich den Eindruck, dass genau das nicht hinterfragt wird?
Fragen über Fragen, bei denen ich mich Travi wieder ein Mal nur anschließen kann. Ich denke, in der Hinsicht würde ich genau so handeln, wäre ich in ihrer Situation.
Ich würde mehr wissen wollen. Die Gesellschaft und das System hinterfragen, mehr Informationen in Erfahrung bringen und eine Veränderung wollen.

Wie kann man von etwas Gutem reden, wenn andere darunter leiden? Wie kann man von Wiederaufbau reden, wenn Angst und Hungersnöte die Folge sind?
Wie kann man so etwas unterstützen, wenn man weiß, dass es falsch ist?

All das und noch viel mehr lernt ihr in dem ersten Teil der Trilogie kennen. Phoenix - Tochter der Asche ist eines der Bücher, deren Inhalt mehr als nur mein Dystopieherz berührt hat. Es hat zum Nachdenken angeregt. Vertrauen wir manchmal den Falschen zu früh? Glauben wir manchmal das, was wir glauben wollen, obwohl wir eigentlich wissen, dass es falsch ist?
Vertrauen wir wieder, obwohl wir wissen, dass wir abermals enttäuscht werden können?
Und tun wir Dinge, die wir bereuen, aber nicht mehr rückgängig machen können?
Die Antwort lautet wohl: Ja.
Auch Travi musste genau das innerhalb von ca 400 Seiten alles erfahren und dennoch kann ich wieder ein Mal nur betonen: Ich würde nicht anders handeln.

Kommentare:

  1. Das Buch liegt seit kurzem bei mir. Jetzt muss ich nur noch Zeit finden, es zu lesen. Bin momentan komplett überlastet. :D

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    1. Oh, das kommt mir so bekannt vor 😂😂 zu viel zu lesen und zu wenig Zeit 🙈

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